Sonntag, 7. September 2008

Abmahnungen


Nach euren Abmahnungen, muss ich heute eben einfach mal wieder in die Tasten hauen. Was bleibt mir anderes übrig. Aber ihr wisst vielleicht: Mit dem Schreiben ist es so wie mit dem Sex. Man sollte sich nur damit befassen, wenn man auch richtig Lust darauf hat. Da ich ja nun schon täglich in der Redaktion an die 8 Stunden Schreiberling bin, sind am Abend meine Fingerchen oft so ermüdet, dass ich bei den Buchstaben nur noch daneben greife.
Doch heute ist Sonntag und nachdem ich gerade die Klitzekleinkunst-Seite auf Vorderfrau gebracht habe, habe ich noch ein paar Wörter übrig.

Meine Güte, wa sist seit Mai alles passiert? Meine Papa ist aus dem Krankenhaus zurück und das schon seit Wochen. Die Chemos waren vorerst zufriedenstellend. Auch wenn sich die Werte seit einiger Zeit wieder minimal nach unten bewegen. Der Arzt meint, man solle doch viel Geduld mitbringen. Tun kann er eh nichts - da hilft auch kein besonderes Essen und Alkoholentzug. Man glaubt es kaum, aber mein Vater ist dem Teufel ewntronnen - ein einziges Glas Martini hat er sich zum Forstfest gegönnt. Und angeblich fehlt ihm nichts. Na ja - da besteht ja bei uns allen noch Hoffnung...
Alles in allem hatten wir alle glaube ich Glück, dass er die Behandlungen so tapfer weg gesteckt hat. Ooge ist nun mal ein Kämpfer und ich glaube, er ist nur heilfroh, wieder daheim auf dem eigenen Sofa rumzuliegen und dem Krankenhaus-Mief entflohen zu sein.Doch wir müssen weiter Geduld haben, derzeit wartet die ganze Familie, dass die 2 letzten ambulanten Chemos bald beginnen, dass mal Ruhe einkehrt. Dazu muss er aber nur noch jeweils ne Woche täglich mit dem Taxi nach DD und wird gespritzt. Drücken wir die Daumen, dass es weiter so gut geht. Danke, lieber Gott...

Und letzteres Stoßgebet ist beiweitem nicht aus der Luft gegriffen. Da ich ja auch mehr oder minder zu den Christen gehöre, die nie in die Kirche gehen, zwar irgendwann einmal getauft worden sind, aber es nie ausgebaut haben, so glaube ich doch auf meine Weise. Und das vielleicht nicht minder als bekennende Kirchbänkesitzer am Sonntag. Gestern beim Friedensgebet in St. Marien gegen den braunen Mob in unserer Stadt kam mir so der Gedanke: Es wäre doch schön, wenn man an das alles hier aus vollstem Herzen glauben könnte und nicht nur ab und an! Es wäre schön, so einen Ruhepol zu haben. Deswegen habe ich mich auch wohl gefühlt dort. Und Herr Merkwürden Naumann hat sich auch gefreut, dass so viele gekommen waren. Jedem das seine! Amen!

Doch zurück zu den Erinnerungen seit Mai: Außerdem war kaum Zeit zu schreiben, da wir auch einfach mal Urlaub gemacht haben - auf Hiddensee, in schönster Idylle und trauter Zwietracht. Mein Liebster und ich. Nee, im Ernst - es tat uns beiden gut, mal nur für uns zu sein. Ich war stolz auf uns, dass es so gut geklappt hat. Denn auch wenn wir ja ständig aufeinander hängen und 1000 gemeinsame Hobbys haben, so muss es nicht bedeuten, dass man auf engstem Raum und im Urlaub das gleiche Glücksgefühl empfindet, wie auf einer Feier, in der Klitzekleinkunst oder sonst wo. Da sind dann ja auch immer Leute dabei, zu denen man flüchten kann, wenn es mal mit der eigenen Kommunikation nicht klappt. Aber es klappte.Ich hätte ihn glatt nach dem Urlaub dafür heiraten können - mache ich aber auch weiterhin nicht. Also, nicht zu früh freuen. Unsere Zeit ist noch nicht gekommen!

Und dann das Forstfest - nun ja - die Leber hat in beide Hände geklatscht und am ersten alkoholfreien Tag danach war mir regelrecht übel - da hatten Bauchspeicheldrüse und Leber plötzlich keine Arbeit mehr und haben sich anscheinend gewehrt. Aber Charlotte de Cognac wäre nicht diesselbe, wenn wir die Sache nicht in den Griff bekommen hätten. Eine Woche Entzug und schon schmeckte am darauffolgenden WE das Sektchen wieder.

In diesem Sinne, noch einen feucht-fröhlichen Sonntag euch allen da draußen an den Monitoren!


Eure treulose Tomate, Charlotte de Cognac

Keine Kommentare: